#hühner

Mein Mann drängt mich dazu, einmal wieder den Gänsekiel in die Hand zu nehmen. Herrje. Die Hälfte von Euch jungen Dingern wird nun fragen: „Was ist denn ein Gänsekiel?“ Nun, es ist eine Gänsefeder, genaugenommen, das Ende der Feder mit dem sie im Leib des Vogels gesteckt hat. Diesen kann man schrägt abschneiden (günstigenfalls nachdem die Feder nicht mehr an der Gans befestigt ist) und in Tinte tauchen und als Schreibutensil verwenden. „Tinte?“, „Welche Tinte?“.

Antwort: Ein Tintenfass. Kann man auch heute noch käuflich erwerben. Probiert es doch einmal aus. Ist übrigens eine ganz tolle Erfahrung für Kinder. Und man kann natürlich jede Feder benutzen, die groß genug ist. Ich möchte nicht erleben, dass Ihr beim nächsten Besuch im Streichelzoo eine Gans rupft. Der Kiel der Feder, der „Stängel“ ist nämlich hohl. Eine Röhre also. Und durch den Kapillareffekt wird die Tinte in das Röhrchen gezogen und man kann mit der Spitze schreiben. Wow, jetzt bin ich von mir selbst beeindruckt, dass mir dieser Begriff noch einfällt. Kapillareffekt. Dabei war ich in Physik echt eine Niete. Dumm, dass es einer meiner beiden Leistungskurse war, seufz.

Ich sitze nämlich gerade im Hotel in Montreal, Kanada und habe kein Internet, um nachzuschlagen. Hier ist es 4 Uhr morgens und Zuhause 10 Uhr und ich habe meinem Mann gerade eine gute alte SMS geschickt, um zu hören, ob es allen gut geht. Ohne Internet zu sein ist selbst für einen Online-Dinosaurier wie mich eine seltsame Erfahrung. Ich kann nicht schauen, wann die Sonne aufgeht, damit ich joggen gehen kann. Ok, man kann auch aus dem Fenster schauen, ob es hell wird. Aber alle Kommunikation mit Zuhause ist dahin. Wie haben wir das früher nur gemacht? Ich erinnere mich, meine Schwester mal aus Peking angerufen zu haben. Für 17,00 DM (Deutsche Mark) die Minute. Es war das teuerste Gespräch meines Lebens. Aber ich schweife ab.

Also. Federkiel. Macht das mal mit Euren Kids. Eine Taubenfeder geht auch. Es hat etwas von Mittelalter oder Piratenwelt oder was immer den Kindern in ihrer Fantasy dazu einfällt. Ich fand es als Kind toll, auf diese Weise mal einen Brief zu schreiben. Was auch ginge, wäre eine Hühnerfeder. Und deshalb nehme ich die virtuelle Feder nun zur Hand, um Euch zu schreiben. Wir haben Hühner. Das wisst Ihr wahrscheinlich schon. Und in der letzten Zeit häufen sich die Anfragen, wie man das alles denn macht und worauf man achten muss. Ich habe meinem Mann gesagt, dass es dazu unzählige Bücher gibt, die wir empfehlen können. Er meinte aber, vielleicht mag der eine oder andere aber eben hören, wie WIR es machen. Dazu möchte ich vorwegsagen: Ich bin kein Ornithologe, kein Landwirt und auch kein Geflügelzüchter und keine meiner Aussagen hier erhebt Anspruch auf umfassende Richtigkeit. Ich kann nur meine Erfahrung mit Euch teilen. Und wenn das helfen mag, dass der eine oder andere auch in sein ganz persönliches Hühnerglück finden möge, dann erzähle ich sehr gerne ein wenig darüber.

Das wichtigste vorweg. Ein Huhn ist ein Lebewesen. Kein Spielzeug. Es lebt vielleicht sehr lange. Eine Dame erzählte mal, dass eines ihrer Hühner 15 Jahre alt wurde. In einem unserer Bücher steht etwas von 50 Jahren. Unsere erste Generation wurde 4-5 Jahre alt. Dabei meinte unsere geschätzte Tierärztin, dass viele der heutigen Geflügel so gezüchtet seien, damit sie produktiv sind und dann nicht mehr so lange leben. Wir hatten die erste Generation nämlich von einem großen Geflügelhof, der alle möglichen Arten von Geflügel anbietet. Unsere zweite Generation stammt bis auf 2 Hühner nun von Privatleuten, die sich mit Liebe und Hingabe einzelnen Rassen widmen. Und die Hühner auch so liebevoll aufgezogen haben, dass die meisten unserer Hühner sehr schnell sehr handzahm waren. Während ich dies hier schreibe muss ich auch feststellen, dass von genau diesen 2 Hühnern aus dem großen Geflügelhof eines schon nach einem Jahr verstorben ist. Ohne erkennbaren Grund. Erstes Fazit: Keine Hühner aus dem Großhandel!

Das Huhn ist also ein Lebewesen. Kein Weihnachtsgeschenk. Es hat einen Charakter. Und Launen. Wie alle Frauen. Ha, ha…. Ein Spaß. Nur ein Spaß. Ich wollte nur sehen, ob Ihr noch mitlest. Unsere Hühner wollen wahrgenommen werden. Sie wollen uns sehen. Jeden Tag. Wenn die Sonne eine Weile aufgegangen ist und wir noch nicht im Garten waren, werden sie unruhig und machen sich bemerkbar. Sie sind sehr aufmerksam. Sie verfolgen alles, was im Garten geschieht. Wenn ich Wäsche aufhänge stehen Sie in Reih und Glied am Zaun und schauen zu. Noch viel schöner ist es natürlich, wenn Sie mit uns frei im Garten unterwegs sind. Das ist einfach nur herrlich. Sie sind neugierig und vor allem gefräßig. Unermüdlich scharren sie um uns herum. Wir sind auch ein wenig Hahnersatz. Vielleicht habt Ihr schon einmal den Ausdruck gehört: „Ein guter Hahn wird nicht fett!“. Meist verbunden mit einem anzüglichen Grinsen oder Augenzwinkern. ACHTUNG NICHT JUGENDFREI:  Weil die meisten Menschen zu der irrigen Annahme neigen, dass der Hahn in seiner Hühnerschar permanent am pimpern sei und deshalb nicht fett würde. Das ist Quatsch. Nein, der Hahn sucht Futter für seine Hennen. Er macht sich dann lautstark bemerkbar, tritt zurück wenn die Damen herbeieilen und lässt Ihnen den Vortritt am reich gedeckten Tisch. Ich habe das in Singapur in einem botanischen Garten beobachten können. Der Hahn hatte einen dicken Käfer aus dem Laub gescharrt und gurrte in einer ganz bestimmten Tonlage, sodass eine Henne in der Nähe heranrauschte, um dem glücklosen Sechsbeiner den Gar auszumachen. Die Natur ist einfach wunderbar. Genauso sind unsere Mädels immer in unserer Nähe, vor allem natürlich, wenn wir mit Gartengeräten unterwegs sind. Denn jeder Spatenstich oder auch nur leichtes Häckeln könnte ja einen leckeren Wurm freilegen. Da es mir nicht so gut gelingt zu gurren, pfeife ich. Und die Hühner hören. Das funktioniert sogar am Abend, wenn ich sie in den Stall rufe. Und sie lassen sich anfassen und streicheln und auch mal hochnehmen. Hierbei bin ich allerdings immer sehr vorsichtig, um sie nicht zu verletzten. Sie sind schon sehr robust und ich habe schon oft gesehen, wie sie auf einem Markt im Ausland an Füßen oder gar am Flügel gepackt werden. Meine Mädels werden mit Würde behandelt. Aber Achtung: Auch auf dem Schoß ist ihr Drang sich zu erleichtern nicht ungebrochen.

Und da kommen wir zum nächsten Thema. Wer Hühner hat, hat Hühnermist. Und zwar überall da, wo die lieben Tiere sich bewegen. Das mag nun diejenigen unter Euch abschrecken, die sagen: Aber meine Kinder sollen doch im Garten spielen. Dazu kann ich folgendes sagen. Wenn ich meine Hühner rauslasse, bewegen sie sich meistens in den Beeten oder vorzugsweise auf dem Kompost, der mit all seinen Kleinstbewohnern natürlich ein Eldorado für die Tiere sind. Aber ja, sie laufen auch wie eine Herde Kühe über den Rasen und zupfen Gras und Klee und anderes Grün. Aber wenn sie dort etwas hinterlassen, dann ist es entweder fest und ich lassen es trocknen und reche es später einfach weg. Oder es ist – je nach Verdauung – sehr flüssig und ich gieße einfach ein wenig Wasser darüber, um es in den Boden zu verteilen. Unnötig zu sagen, dass der Hühnermist ein großartiger Dünger ist. Aber dazu an anderer Stelle mehr. Kurzum. Hühner machen überall hin. Aber sie lassen sich bei Ihrer Tour durch den Garten lenken, sie bewegen sich eher in Beet und Gebüsch und wenn der Kot mal im Weg ist, lässt er sich beseitigen. Und bei allem Geschrei nach Hygiene: Meine Kinder sind oft im Garten und immer schmutzig und kerngesund. So bin auch ich großgeworden und ich glaube fest daran, dass ein gut trainiertes Immunsystem der beste Schutz ist, den ich meinen Kindern mitgeben kann.

Abschließend möchte ich also festhalten. Ein Huhn ist ein Familienmitglied. Es möchte liebgehabt werden, sich unterhalten, gesehen und geschätzt werden. Und es macht Dreck und je nach Laune auch mal Lärm. Überlegt Euch gut, ob das alles in Eure kleine Welt passt. Wenn Ihr das alles annehmen könnt, dann lade ich Euch unsere weiteren Artikel zum Thema Hühnerhaltung zu lesen und unsere Videos anzuschauen. Wir freuen uns auf Eure Rückmeldungen und weitere Fragen.

 

 

 

2 Kommentare

  1. Vielen Dank für den Einblick.
    Ich sage schon lange zu meinem Mann, das ich gerne eigene Hühner möchte. Sobald unsere Wohnlage bzw. der Garten dazu es zulässt, werden auch Hühner bei uns einziehen

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